Dinner for one

dinnerforone“Same procedure as every year, James!” – An jedem Silvesterabend stoßen zwei alte Bekannte mit uns auf das neue Jahr an: James (Freddie Frinton) und Miss Sophie (May Warden). Seit Jahrzehnten sind die beiden Originale am 31. Dezember auf Sendung. Der kultige Zweipersonensketch “Dinner for One” ist die am häufigsten wiederholte Fernsehsendung in der deutschen TV-Geschichte.
Die Handlung: Zu ihrem 90. Geburtstag hat Miss Sophie – wie jedes Jahr – ihre Freunde um sich versammelt. Anwesend sind Admiral von Schneider, der ein feuchtfröhliches “Skoll” in die Runde wirft, Mr. Pommeroy, der ein “Happy new year” Richtung Miss Sophie gurgelt, der Adelige Sir Toby, der gekonnt “Cheerio, Miss Sophie” durch den Raum grölt und schließlich Mr. Winterbottom, der sich zur Rechten von Miss Sophie durchaus als Mann mit Charme präsentiert. Das Problem: Alle Gäste sind schon seit mehr als 25 Jahren tot und so muss Diener James nicht nur servieren, sonden auch noch alle Gäste “ersetzen” – beim Gratulieren, beim Trinken… beim Weg ins Schlafzimmer.

Viele halten “Dinner für one” für eine klassische britische TV-Produktion. Aber weit gefehlt und ganz im Gegenteil: Die Produktion entstand beim Westdeutschen Rundfunk; im englischen Sprachraum ist das Stück fast unbekannt. Der Autor des Sketches ist Lauri Wylie, der ihn in den 1920er-Jahren geschrieben haben soll.
Auf Talentsuche soll Peter Frankenfeld Freddie Frinton 1962 im britischen Blackpool entdeckt haben. Frinton hatte dort in einem Variete-Theater zu diesem Zeitpunkt schon etliche Jahre den beschwipsten Butler gespielt – allerdings ohne nennenswerten Erfolg.

Ihre deutsche Fernsehpremiere hatten James und Miss Sophie dann am 1963 live in der ARD-Sendung “Guten Abend, Peter Frankenfeld“. Der Sketch schlug ein, das Publikum jubelte. Also lud der NDR Frinton und May Warden noch einmal nach Hamburg ein. Diesmal zu einer Aufzeichnung des Sketches. Frinton und Warden erhielten für den Auftritt genau 4.150 DM. Davon gingen dann noch rund 620 DM für das Finanzamt ab. Tantiemen für Wiederholungen wurden nicht vereinbart, das war damals nicht üblich.
(Allerdings gibt es Quellen, die von einer Ausstrahlung schon 1961 in der Sendung “Lassen Sie sich unterhalten” sprechen.)

1968 wurde Freddie Frinton noch einmal gebeten, den 18-Minuten-Sketch für eine Fernsehaufzeichnung in Deutschland aufzuführen. Es sollte eine Farbversion gedreht werden. Frinton willigte ein. Doch zu der Aufzeichnung kam es nicht mehr: Wenige Wochen vor dem geplanten Drehtermin starb der Komiker an einem Herzanfall. Allerdings gib es dennoch eine Farb-Fassung. 2000 hat der NDR mittels Computer das Werk nachträglich eingefärbt.

Seit 1972 läuft der Sketch Jahr für Jahr an Silvester – mittlerweile in mehr als 20 Ländern, darunter Österreich, Schweden, Dänemark, Grönland und Südafrika. Das Schweizer Fernsehen produzierte ebenfalls 1963 eine eigene, kürzere Version mit geringfügigen Abweichungen.

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“Dinner for one” war all die Jahre Ideenquelle für eigene Adaptionen und Versionen.
2011 gibt es eine Version mit dem Titel “Der 90. Rettungsgipfel oder Euros for No One”. In die alte Originalversion wurden dabei die Köpfe von Angela Merkel und Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy montiert. Die imaginären Gäste am Tisch sind ehemalige europäische Regierungschefs.