Musik aus Studio B
Zu einer Zeit, als “MTV” und “VIVA” noch Fremdworte waren, da legte ein Engländer mit radebrechender deutschen Aussprache im Studio B des Norddeutschen Rundfunks (NDR) Schallplatten auf. 45 Minuten lang wurden neue Schlager vorgestellt, vor allem deutschsprachige. Moderator war Chris Howland, der sich selbst den Spitznamen “Mr. Heinrich Pumpernickel” gab. Neben der Musikeinspielung von der Schallplatte – beleitet vom Fernsehballett – gab es auch Live-Darbietungen von Studiogästen und kurze Filmeinspielungen. Vorproduzierte Videoclips, wie sie heute weltweit üblich sind, gab es noch nicht.
Wie vieles aus der Anfangszeit des Fernshen hatte auch “Musik aus Studio B” seine Geburt im Radio. Howland war 1952 vom britischen Soladatensender BFBS zum NWDR gewechselt und moderierte dort Sendungen die sich mit Trends und Neuheiten der Musikszene befassten. Sein britischer Akzent und seine markante Stimme waren schon zu der Zeit sein Markenzeichen.
Nach einem Zwischenspiel in der alten Heimat Großbritannien kehrt er nach Deutschland zurück und die Vorbereitungen für “Musik aus Studio B” begannen. Ihren Namen erhielt die Sendung nach dem Produktionsort im NDR-Fernsehzentrum in Hamburg-Lokstedt.
Am 22. August 1961 lief die erste Folge über die Bildschirme. Bis 1970 folgten 60 weitere Sendungen mit Chris Howland. Eine Zeit lang stand die Sendung in der öffentlichen Kritik. Es kam nämlich zu einer intensiven Zusammenarbeit mit der privaten Plattenindustrie. Der öffentlich-rechtliche Sender musste sich dafür rechtfertigen.
Schon 1968 kam es zum Zerwürfnis zwischen NDR-Programmverantwortlichen und Howland. Dieser ließ daraufhin seinen Vertrag auslaufen. Die Verärgerung muss tief gesessen haben. Die Chronik hält fest, dass bis auf eine, alle Magnetbandaufzeichnungen der Sendungen gelöscht wurden. Speicherplatz war seinerzeit noch ein kostbares Gut.
Zunächst übernahm Peter Fröhlich und nach dessen Aufhören und einer 18monatigen Pause dann Henning Venske die Sendung, die sich – da die Comedy-Elemente wegfielen – zu einer reinen Schlagerpräsentation entwickelte.. Schließlich kam es zu einer wechselnden Moderation von Max Schautzer, Lisa Fitz, Katja Ebstein und Hanni Vanhaiden. 1976 wurde die Sendung – vom Publikum fast unbemerkt – eingestellt.
Howald hingegen verschwand nicht in der Versenkung. Schon lange hatte er sich einen Namen als Schlagersänger, Schauspieler und Moderator gemacht. Er spielte mit in zahlreichen Filmen – darunter den Karl-May-Filmen – sang einige “Ohrwürmer” und präsentierte eine Reihe von Fernsehsendungen – z.B. “Vorsicht Kamera“.
Interview mit Chris Howland
Howland’s Website
Über Chris Howland


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