Zum Blauen Bock

Oberkellner Reno Nonsens, Lia Wöhr, Heinz Schenk und Edelgard Stözzel.Für die einen war es das nackte Grauen, für die anderen der Inbegriff hessischer Unterhaltungskultur. Im “Blauen Bock, beim Äppelwoi” – da gaben sich drei Jahrzehnte lang Stars und Sternen ein Stelldichein. Immerhin brachte es die bunte Mischung aus Show, Talk und Musik zwischen 1957 und 1987 auf 208 Ausgaben und traumhafte Einschaltquoten von 15 bis 20 Millionen Zuschauern pro Sendung.Otto Höpfner

Geboren wurde die Show aus der Not heraus. In Frankfurt war für August 1957 die “Großen Deutschen Rundfunk-, Fernseh- und Phono-Ausstellung” geplant. Dem Hessischen Rundfunk oblag es, zur Eröffnung am 3.10. 1957 ein Rahmenprogramm zu gestalten. So wurde Idee zur Sendung geboren: Persönlichkeiten aus Politik, Show und Sport besuchen eine fiktive Apfelweinkneipe und plaudern mit dem Moderator. Diese Position wurde mit Otto Höpfner besetzt, der seine ersten Sporen schon mit der bekannten HR-Hörfunksendung “Frankfurter Wecker” verdient hatte.

Das Konzept und die erste Sendung schlugen ein und schon ab 9. November 1957 lief alle vier Wochen regelmäßig der “Blaue Bock”, in der Regel 90 Minuten lang. Rasch wurden das hessische Nationalgetränk sowie der dazugehörigen “Bembel” bundesweit bekannt.

Heinz Schenk1966 überwarfen sich Otto Höpfner und der hessische Rundfunk. Die Höhe der Gage soll der Grund gewesen sein. Höpfner verließ den Hessischen Rundfunk und der “Blaue Bock” bekam neues Personal. Heinz Schenk und Lia Wöhr traten ab der 75. Sendung als Gastwirte die Nachfolge an, unterstützt von dem ewig nörgelnden Oberkellner Reno Nonsens. Das bewährte Konzept wurde beibehalten: Alles, was im Showgeschäft Rang und Namen hatte – Opern- und Operettenstars, Schlagersänger, Schauspieler, Moderatoren, Autoren – trat in der Äppelwoi-Schenke auf.

Hauskomponist und musikalischer Leiter des Blauen Bock war jahrelang der legendäre Franz Grothe. Dieser wurde nach seinem plötzlichen Tod 1982 durch Rolf-Hans Müller ersetzt. Im gleichen Jahr gelang dem Blauen Bock der Sprung ins Abendprogramm. Gesendet wurde sechsmal im Jahr aus wechselnden Städten – nicht nur aus Hessen. Schenk war inzwischen auch Autor der Show, schrieb Texte und Drehbuch – Abschluss jeder Sendung bildete ein von ihm verfasstes und vorgetragenes Couplet.

Im Dezember 1987 schloss dann der Blaue Bock für immer seine Pforten.

Gäste im “Blauen Bock”:

Jörn W. Wilsing – Das Chiantilied

Mireille Mathieu

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