Hätten Sie’s gewusst
Das Ergötzen am Wissen der Anderen – mitunter die Schadenfreude über das “Nichtwissen” – war schon immer die Triebfeder für Quizsendungen. Unter dem Titel “Hätten Sie’s gewusst?” strahlte von 1958 bis 1969 die ARD eine jeweils 45minütige Quizsendung aus, in der es um mehr oder weniger schwierige Fragen aus der Allgemeinbildung ging. Moderator war Heinz Maegerlein.
In einem äußerst kargen Studio saßen zwei Kandidaten jeweils in einer schalldichten Kabine. Abwechselnd konnten sie Wissensgebiete wählen und eine Frage mit einer Schwierigkeitsstufe zwischen 1 und 11. Bei einer richtigen Antwort gab es die entsprechende Punktzahl. Eine Assistentin kam nach vorne und hängte einen Punktetafel an die Kabine. Je höher die Zahl, desto größer die Tafel und die aufgemalten Ziffern. Wer als erster 21 Punkt erreicht hatte war Sieger – wie beim Blackjack im Casino. Der Sieger durfte dann für eine nächste Spielrunde wiederkommen.
So die äußerst einfachen Spielregeln. Den besonderen Reiz machte es allerdings aus, dass die Kandidaten den Wissenstand, die Antworten und den Punktestand ihres jeweiligen Gegners nicht wussten. Neben dem reinen Wissen war deshalb auch ein gewisses Taktieren gefragt.
Bescheiden waren auch die Gewinne. Dort wo heute Millionen winken war es seinerzeit ein Sachpreis. Hauptpreis bei mehrmaligem Gewinn war eine BMW Isetta.
Wie vieles, kam die Spielidee über den großen Teich. In den USA hatte die Sendung von September 1956 bis Oktober 1958 im Hauptabendprogramm von NBC viele Anhänger… bis ein Skandal an die Öffentlichkeit gelangte. Der mehrmonatige Gewinner Charles Van Doren gestand ein, dass die Redaktion ihm die Antworten auf die Fragen im Voraus mitgeteilt hatte, um einen “unbequemen Champion” (Herbert Stempel) aus dem Weg zu räumen. Später stellte sich heraus, dass auch andere Kandidaten im Voraus mit Antworten versorgt wurden. Dieser Quiz-Skandal wurde 1994 unter dem Titel “Quiz Show” von Robert Redford verfilmt.
“Hätten Sie’s gewusst” wurde im Jahr 2000 von RTL unter dem Titel “Quiz Einundzwanzig” neu aufgelegt.
Der Titel der Show diente außerdem im Jahr 2004 einer neuen Quizsendung im NDR, die jedoch mit der Original-Version nichts gemein hatte.
Von der deutschen Serie ist kein Videomaterial aufzutreiben. Sehr wohl aber eine Nachrichtensendung, eine Dokumentation und der Mitschnitt von der US-Skandal-Sendung.
Nachrichten:
Dokumentation:
Mitschnitt der Skandalsendung:
Eine TV-Legende selbst war Moderator Heinz Maegerlein (* 27. 12 1911, Leipzig; † 25.10. 1998, Gräfelfing). Er leitet die Abteilung Sport des Bayerischen Rundfunks und war ein bekannter und geschätzter Sportreporter. In einer Gedenksendung des WDR erinnerte Detlef Wulke an ihn: “Als Reporter nahm er zwischen 1960 und 1972 an allen Olympischen Spielen teil. Die Süddeutsche Zeitung attestierte dem Meister des geschliffenen Wortes, dass seine Reportagen ‘irgendwo zwischen der liebevollen Kommentierung einer Modenschau und einer fundierten Theaterkritik’ angesiedelt seien. … Ausgerechnet ihm, dem ‘Schöngeist des Sports’ und ‘Oberlehrer der Nation’ rutschte 1959 bei einer Skireportage ein doppeldeutiger Satz heraus, der untrennbar mit dem Namen Heinz Maegerlein verbunden ist: ‘Tausende standen an den Hängen und Pisten.’ ” – Die Doppeldeutigkeit wird einem bewusst, wenn man den Satz spricht und nicht liest. Und noch ein sprachlicher Ausrutscher, Maegerleins Mund entsprungen bei der Übertragung eines Schwimmwettbewerbs: “Und nun wickeln die Damen ihre 100 Meter Brust ab.”


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