Tutti Frutti
1990: Ein Ruck geht durch die Fernsehsessel der deutschen Nation. Der Privatsender RTL start im Januar die Erotik-Spielshow “Tutti Frutti”. Zwei Kandidaten – Männlein und Weiblein – mußten in simplen Rate- und Glücksrunden Punkt sammeln, die dann in in “Stiptease-Einlagen” des Balletts umgesetzte wurden. Zusätzliche Punkte konnten die Kandidaten durch eigenes Entkleiden “gewinnen”. Sobald eines der Mädels (fast) komplett entkleidet war, gab es – nach schwer durchschaubaren (aber letztlich unwichtigen) Spielregeln – “Länderpunkte” – und schließlich einen Geldpreis für den Gewinner oder die Gewinnerin.
Tutti Frutti war einen Adaption des italienischen Formats “Colpo Grosso” und wurde auch – zusammen mit der italienischen Orginalfassung (und anderen nationalen Fassungen) – in Studios in Mailand aufgezeichnet. Moderator der deutschen Version war Hugo Egon Balder – dem das noch heute “anhängt”. Augenweide waren die “süßen Früchtchen” des Ballets “Ragazze Cin Cin” – sechs bis sieben leicht bekleidete Modells, die jeweils eine Frucht symbolisieren.
Seinerzeit gab es Versuche mit “3D-Fernsehn”. Mit speziellen Brillen konnte man ansatzweise einen räumlichen Eindruck erahnen.
Aus heutige Sicht entlockt das seinerzeit Gezeigte nur ein Schmunzeln, man darf aber nicht vergessen, dass es die erste “wissenschaftsfremde” Sendung war, die sich den Themen Sexualität und Erotik widmete. Entsprechend groß war das öffentliche Interesse – und die Diskussion. Keiner hat die Sendung angeschaut, doch am Arbeistplatz konnte jeder drüber diskutieren. Die Medien beschäftigten sich mit mit Spielregeln und dem Privatleben der Kandidaten. Rund um die Sendung wurde ein breites Merchandising aufgebaut.
Auch die Landesmedienanstalt beschäftigte sich mit der Sendung. Grund war aber nicht der Inhalt, sondern die Form der Werbeeinblendung.
In Deutschland liefen zwischen Januar 1990 und Februar 1993 in ingesamt 3 Staffen rund 100 Folgen. Finanziell soll die Sendereihe für RTL ein großer Erfolg gewesen sein. Für RTL ist das Thema wohl inzwischen Geschichte. Der Sender hat das Thema fast vollständig von seiner Webseite genommen.

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