“Rote Optik” und “ZDF-Magazin” vs. “Schwarzer Kanal”

GegenspielerZu den Waffen des kalten Krieges zwischen Ost und West gehörten – selbstverständlich – auch die Medien. So ist es nur verständlich, dass in der Konfrontation zwischen BRD und DDR dem Fernsehen eine besondere Rolle zukam. So manche Fernsehsendung musste – auf beiden Seiten – für ein Scharmützel herhalten. Mitunter nur kleine Seitenhiebe in einer Showsendung – aber es gab auch große Geschütze. Zu diesen gehörte auf Seiten der DDR die Sendung “Der schwarze Kanal” von und mit Karl-Eduard von Schnitzler. Als unmittelbarer Widerpart wurde das “ZDF-Magazin” unter Gerhard Löwenthal angesehen.

von SchnitzlerEin wichtiges Propaganda-Instrument des DDR-Fernsehens war “Der Schwarze Kanal”, eine Sendereihe, die von März 1960 bis Oktober 1989 wöchentlich zur Primetime, insgesamt 1519 Mal ausgestrahlt wurde. Das Magazin widmete sich den Medien des Westens und sollte “die Verlogenheit der westlichen Politik am Beispiel des Westdeutschen Fernsehens entlarven”. Die Sendung wurde maßgeblich durch die Redaktion und Moderation des Chefkommentators des DDR-Fernsehens, Karl-Eduard von Schnitzler, geprägt.

Der Sendeablauf folgte immer dem gleichen Muster: Zuerst stimmte von Schnitzler mit allgemeinen Kommentaren, aber auch gezielten Beurteilungen der Ereignisse der vergangenen Woche auf die jeweilige Sendung ein. Dann folgten mehrere Filmbeiträge, die in der Regel Ausschnitte aus ARD- und ZDF-Sendungen waren und meist aus dem Off (neu) kommentiert wurden. Diese Filmbeiträge erhielt oft durch Verkürzungen und neuen Schnitt oder dadurch, dass Sie aus dem Zusammenhang gerissen wurden, eine andere Aussage als im Original.

Die Sendung startete am 21. März 1960 und wurde am 30. Oktober 1989 im Zuge der politischen Wende abgesetzt.

Von Schnitzler hatte für seine Sendung ein unmittelbares Vorbild… und das kam aus dem Westen:
Der Rias-Journalisten Thilo Koch produzierte zwischen 1958 und 1960 eine Sendereihe “Die rote Optik“. Darin befasste er sich mit der Film- und Fernsehberichterstattung der damals nicht nur von ihm so genannten “Sowjetzone”, kritisierte sie sehr heftig und bezeichnet sie als “Propagandaoffensive”. In seinen Erinnerungen schrieb Koch: “Ich wollte der Wahrheit dienen. Ich wollte die Lügenmaschinerie des SED-Staates darstellen und damit widerlegen. Dies vor den Augen der Fernsehzuschauer in West- und Ostdeutschland. (…) Ich empfand Empörung, ja Wut über die Schamlosigkeit, die Heimtücke, den Hass, womit die Protagonisten und Propagandisten des SED-Staates den anderen Teil Deutschlands, unsere Bundesrepublik, angriffen, verleumdeten, entstellten.”

Als unmittelbarer West-Widerpart zu von Schnitzler ist aber Gerhard Löwenthal anzusehen. Sein “ZDF-Magazin” (1969 bis 1988 jede zweite Woche) war nicht nur das rechtskonservative Gegenstück zu den linksliberalen Politmagazinen in der ARD: Bekannt wurde die Sendung wegen ihrer Beiträge über die kommunistischen Regime in Osteuropa, vor allem über die DDR. Löwenthal profilierte sich mit scharfem Antikommunismus und wetterte vor allem über die Studentenbewegung (“rote Psychoterroristen”), die sozialdemokratische Ostpolitik (“kommunistische Agenten”), die Friedensbewegung (“Moskauer Partisanen”), “linke”, Löwenthalwestdeutsche Schriftsteller wie Heinrich Böll (“Sympathisanten des Linksfaschismus”), vor allem aber immer wieder die DDR an. Er tat dies, wie die “Süddeutsche Zeitung” schrieb, “mit immer grimmigem Gesicht und in einem Tonfall, als hätten die Kommunisten soeben die Sendeanstalt besetzt”. Das Magazin verstand sich dabei auch als Forum für DDR-Bewohner. In der Rubrik “Hilferufe von drüben” wurden Beschwerden und Anliegen aus der Zuschauerpost vorgetragen.

Der technische Aufwand – Ost wie West – war enorm. Selbstverständlich gab es keinen direkten Austausch von Sendematerial. Und die elektronische Magnetaufzeichnung war noch nicht sehr verbreitet. Gegegenseitig wurden deshalb die Sendungen vom Fernseher abgefilmt.

Senderinterne Kritik kam nicht von oben, sondern von unten. 1970 forderte die Redakteursversammlung des ZDF vergeblich die Umbenennung der Sendung, weil sie suggeriere, dass sie für die politische Ausrichtung des ganzen Senders stehe.

Am 23. Dezember 1987 moderierte Löwenthal, inzwischen 65 Jahre, zum letzten Mal – und ging danach in den (Un)Ruhestand. Er selbst bezeichnet es als: “unter dem Druck des Linkskartells in die Zwangspensionierung geschickt”. Nachfolger als Leiter der Sendung wurde Bodo H. Hauser. Unter ihm bekam die Sendung eine neue Ausrichtung und einen neuen Namen. Das “ZDF-Magazin” wurde nach 591 Ausgaben durch “Studio 1” ersetzt.

Ausführliche Info zum “Schwarzen Kanal”
Zur Person Karl-Eduard von Schnitzler
Abmoderation “Der Schwarze Kanal”
Über Gerd Löwenthal und den Löwenthal-Journalistenpreis